Erfahrung schon seit 1987
Die
Schmerzklinik ist
nach § 40 SGB V von allen
gesetzlichen Krankenkassen als
Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS
8-918).
SCHMERZTHERAPIE bei FIBROMYALGIE
Die Fibromyalgie ist eine relativ häufige Erkrankung. Die Krankheit setzt meist im mittleren Erwachsenenalter ein und entwickelt sich progredient (= fortschreitend). Frauen sind 5-10 mal häufiger betroffen als Männer.
Die Fibromyalgie ist durch eine Vielzahl schmerzhafter Regionen gekennzeichnet, oft begleitet von vegetativen Krankheitserscheinungen (z.B. vermehrtes Schwitzen) und psychischen Veränderungen.
Generalisierte myofasz iale Schmerz en werden in der Literatur nicht einheitlich klassifiziert und deshalb unter verschiedenen Diagnosen geführt:
Das Krankheitsbild der Fibromyalg ie ist durch eine Vielzahl diffuser, breitflächiger, spontan schmerzhafter Regionen mit wechselnden "rheumatischen" Beschwerden im muskuloskelettalen
(= Mus keln und Skelett betreffenden) System bei insgesamt deutlich erniedrigter Schmerzschwelle gekennzeichnet. Es liegt eine Kombination von psychischen, neurologischen und funktionellen Störungen vor.Die wichtigsten Krankheitserscheinungen der Fibromyalgie sind Muskelschmerz, Müdigkeit, Schlafstörung, Depression und neuroendokrine Dystonie (= Nerven- und Drüsenstörungen) (Hoerster 1997).
Regelmäßig finden sich bei Fibromyalgie druckschmerzhafte Punkte an 18 (2x9) definierten Stellen (Tender points):
Umgekehrt gibt es bei der Fibromyalgie 13 (1+2x6) nicht druckschmerzhafte Kontrollpunkte:
Der Symptomkomplex "Müdigkeit" zeichnet sich aus durch:
Überschießende Reaktion auf physischen und psychischen Streß mit rascher
Ermüdbarkeit und rascher Erschöpfung, geringere Belastbarkeit,
Leistungsschwäche und Konzentrationsstörung.
Die Schlafstörung betrifft besonders die Tiefschlafphase IV (Non-REM-Phase),
verursacht ein Gefühl der Zerschlagenheit und verhindert einen erholsamen
Schlaf.
Depression und andere psychische Störungen bestehen bei
mehr als 50% der Fibromyalg ie-Patienten; häufige Kombination von
emotionalem und psychischem Dysstreß.
Häufige funktionelle Begleitsymptome der Fibromyalg ie: Kopfschmerzen (auch Migräne, selten Cluster-Kopfschmerz), Colon irritable (= Reizdarm), nervöser Reizm agen, Re izblase, Dysmenorrhoe (= schmerzhafte Periode), Parästhesien (= Kribbeln), Schwellungsgefühl an Händ en und Fü ßen, Raynaud-Symptomatik (= Durchblutungsstörung der Händ e u. Fü ße) und Restless legs (= unruhige Beine / Fü ße).
In der Regel können bei der primären Fibromyalgie keine
Organerkrankungen aufgedeckt werden, die Röntgenbefunde sind normal, ebenso die
Laborwerte (Entzündungsparameter, Diff. Blutbild, Rheumaserologie,
Immunglobuline und Muskelenzyme). In 30-70% sind die Antikörper gegen Serotonin,
Phospholipide, Ganglioside und Nukleoli positiv.
Die Muskelbiopsie
Die Komplexität der Fibromyalgie-Symptome läßt großen Spielraum für differentialdiagnostische Erwägungen (= was außer der Fibromyalgie sonst noch an Krankheiten in Betracht kommen könnte):
Tritt die Fibromyalgie im Gefolge einer definierten Grundkrankheit auf, so spricht man von einer "sekundären Fibromyalgie".
Ätiologie (=
Krankheitsursache) und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) der Fibromyalg
ie sind
noch unbekannt und führen zu kontroversen Spekulationen.
Psychologische
Faktoren, so z. B. psycho-soziale Störungen (Hansen 1991), scheinen aber
erheblich zur körperlichen Symptomatik (=
Krankheitszeichen) beizutragen. Jede Form von
körperlichem und seelischem Streß wirkt offenbar schmerzverstärkend (Bengtson
et al. 1986, Tilscher et Eder 1985).
Nach Tilscher und
Bogner (1974) werden bei weichteilrheumatischen Syndromen (=
Erkrankungen) insbesondere depressive Symptome
gehäuft gefunden.
Viele Arbeiten zum Nachweis einer Koinzidenz (=
zeitliches Zusammentreffen von Ereignissen)
psychopathologischer (= krankhaft
psychischer) Phänomene bei Pana lgesie
(= Ganzkör perschmerz)
-Syndromen sind aber methodisch nicht immer nachvollziehbar. Die Tatsache, daß
bei vielen dieser Patienten keine psychologischen Besonderheiten nachzuweisen
sind, spricht nach Wolfe (1984) gegen eine primär psychogenetische
Erklärung der Fibromyalgie. Die psychischen Besonderheiten bei einer
Reihe von Patienten könnten auch sekundär durch den Krankheitsverlauf
aufgetreten sein. Nicht selten bestehen Partnerschaftskonflikte (Hansen
1991). Differentialdiagnostisch (= welche
Krankheiten noch in Frage kommen) ist zu bedenken,
daß sich hinter einer scheinbar monokausalen Pana lgesie
(= durch 1 Krankheit verursachter Ganzkör perschmerz)
auch ein psychogenes (= psychisch
verursachtes) Schmerzsyndrom verbergen kann.
Schmerztherapie bei Fibromyalgie: Das komplexe Beschwerdebild der Fibromyalg
ie
erfordert eine stationäre interdisziplinäre, multimodale (=
mehrere Maßnahmen beinhaltende) Therapie im
Rahmen der "speziellen Schmerztherapie", optimal in einer Schmerzklinik.
Bei multikausaler Genese (= durch
verschiedene Krankheiten verursachte Entwicklung)
der
Panalgesie
(= Ganzkör perschmerz)
werden die einzelnen Schmerzbilder entsprechend ihrer Dominanz behandelt. Da in
der Regel die Schmerzschwelle herabgesetzt ist, ist eine begleitende
schmerzdistanzierende Medikation mit einem tri- oder tetrazyklischen Antidepressivum
(z.B. Doxepin, Maprotilin), evtl. vorübergehend auch in Kombination mit einem
Neuroleptikum (z.B. Levomepromazin) (=
Mittel zur Behandlung der Psyche, aber auch gegen Schmerz en wirksam)
sinnvoll.
Hilfreich ist bei Fibromyalgie im Rahmen der Schmerztherapie auch eine 3-4 tägige
psychovegetative Entspannung durch eine sogenannte "Schlafkur". Zur
wiederholten Schlafinduktion verwenden wir 1-2 mg Flunitrazepam,
zusätzlich geben wir 1-2 mal täglich 40 mg Prothipendyl.
Zunächst sollte der Patient über die prinzipiell gutartige Natur der
Erkrankung aufgeklärt werden, wobei aber mögliche Folgen einer Chronizität
(psychosoziale Aspekte, Risiken einer ständigen Medikamenteneinnahme) nicht
verschwiegen werden sollten. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und
Patient kann den bis dahin unbefriedigenden Verlauf durchbrechen. Es ist aber
auch zu bedenken, daß weitere erfolglose Schmerztherapie-Versuche erneut zu
Enttäuschungen führen können, die einer weiteren Chronifizierung Vorschub
leisten.
Desweiteren ist eine Schmerztherapie erforderlich, das den
multifaktoriellen Ursprung der Fibromyalgie berücksichtigt. Dazu gehört
insbesondere eine begleitende psychologische Behandlung, (psychologische
Schmerztherapie) die zu einer
Verbesserung der Schmerzverarbeitung bzw. Erhöhung der Schmerztoleranz
beiträgt (Schmerzbewältigung).
Eine schmerzdistanzierende, antidepressive
Behandlung sollte bei Patienten mit Fibromyalgie frühzeitig
eingesetzt werden, zumal damit auch eine Besserung der häufig bestehenden
Schlafstörungen zu erreichen ist. Periphere Analgetika
(= Schmerzmittel) können versucht werden,
überwiegend ist damit jedoch keine zufriedenstellende Schmerzreduktion zu
erreichen. Auch der Einsatz von Opioiden (z.B. Morphium) ist oftmals
enttäuschend.
Eher sahen wir eine positive Wirkung bei Verabreichung von Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung),
vor allem Tolperison. Alternativ kann Baclofen
verordnet werden.
Auch die therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Betäubung
bzw. Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel)
in Form einer Triggerpunkt-Behandlung, Infiltrationen besonders schmerzhafter
Körperbereiche, aber auch Nervenblockaden, falls notwendig sogar kontinuierlich
mit Katheter (= eingepflanztem
Kunststoffschlauch) (optimal
im Armbereich),
ist zur Schmerztherapie bei Fibromyalgie oftmals hilfreich.
Bei Vorliegen einer sympathischen
Überaktivität sind epidurale (=
rückenmarknahe) oder periphere sympathische
Blockaden erfolgversprechend.
Physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen
(u.a. Krankengymnastik) werden meist als angenehm empfunden und steigern
damit das körperliche Wohlbefinden. Sie sollen dazu beitragen, den Patienten
mehr Vertrauen zum eigenen Körper zu vermitteln und die Mobilität zu steigern.
Werden z.B. nur Massagen verordnet, besteht die Gefahr, daß sich passive
Tendenzen im Krankheitsverlauf verstärken. Ohnehin
sind die üblichen Massagebehandlungen (Ausnahme: Spezialmassagen wie. z.B.
Bindegewebsmassagen oder Lymphdrainagen) aus schmerztherapeutischer Sicht
völlig entbehrlich und werden von uns auch nicht mehr verordnet.
Nur die konsequente Durchführung der genannten, interdisziplinär (= mehrere medizinische Fachrichtungen betreffende) angelegten Therapiemaßnahmen im Rahmen der speziellen Schmerztherapie kann eine, manchmal sogar eindrucksvolle Beschwerdelinderung bewirken.
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).
Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle (also auch ältere Patienten) gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden.
Sie wollen mit einem erfahrenen Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem Mittwoch zwischen 13.00 und 14 Uhr oder Donnerstag zwischen 13.00 und 15.00 Uhr die Tel.-Nr. 07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).
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